Mök



Hallo Ihr Lieben,

Saturn ist nach jahrelangem Aufenthalt im Löwen, in die Jungfrau gereist. Das heisst er braucht für 30 Grad am Tierkreis 2,5 Jahre.

In ähnlichem Tempo legte ich die wahnsinns Entfernung von Wien nach Mök zurück. Für diejenigen unter uns, die nicht so vertraut mit der Einheimischen Sprache sind: Mök hiess bis Dienstag auch für mich, Melk.

Wie es dazu kam mich so gewählt ortskundig ausdrücken zu können, ist schnell erzählt.

Ich war an ein stilles Örtchen im Dunstkreis von St. Pölten zu einem esoterischen Grüppchen geladen. Um nur ja nicht in Stress zu geraten vertraute ich blind der Werbung: Nerven sparen Bahn fahren! Denn alle Buddhas, Siddhartas, Gandis mögen mich vor den Sanktionen einer Feng Shui Gruppe bewahren, sollte ich es wagen mit Schweiss auf der Stirn und ohne Tasse weissen Tee in den Seminarraum zu stürmen. Sowas von nicht zentriert trägt heute kein Mensch mehr.

Voller guten Willens schleppte ich mich zu einer Zeit, zu der man die Tageszeitung bei der Ampel kaufen kann auf die Strasse. Wusste gar nicht, dass es das überhaupt noch gibt. Einen Kübel Kaffee schüttete ich mir verschämt beim Anker ins Gesicht - gelobend ab morgen nur noch BioTee an meine Zunge zu lassen (mein Gedächtnis ist sehr schlecht - Merkur in den Fischen sag ich nur).

Also ich war da - was fehlte war der Zug.

Falsches Gleis? Falscher Bahnhof? Falsches Leben? Äh, nein - nur eine kleine Verspätung. Nichts phobienauslösendes, wenn man die Kleinigkeit eines Anschlusszuges mit atemberaubender Switch Zeit von 50 Sekunden kurz wegblenden könnte. Wie lächerlich der Gedanke an diesen Zug noch werden sollte, stellte sich in den nächsten 4 Stunden heraus.

Irgendwann bewegte sich mein Popo zwar tatsächlich aus dem Bahnhof raus, aber nur um nach rund 10 Metern festzusitzen. Gerade noch hoch ambitioniert schien der Fahrer sein Ziel aus den Augen verloren zu haben und einfach eingeschlafen zu sein. Mein Verständnis für ihn war grenzenlos, aber da mich niemand in eine Schlafhöhle einlud, sondern ganz im Gegenteil, der Schaffner mir mitteilte, dass ich zwar zwei Fahrkarten nach Haus hätte, aber keine von zu Hause woandershin, bekam ich Herzrythmusstörungen, Kopfschmerzen, Bauchrumsen - kurz gesagt einen endogenen hysterischen Anfall.

Jeder spiritueller Supergau ist steigerungsfähig. Nach zwei Stunden war die Reise zu Ende. Genau 30 km von Wien entfernt, wurden wir kollektiv in der Pampas ausgesetzt. Dort gab es reichlich Zeit den Mond im Zwilling zu feiern - Kommunikation war angesagt.

"Entschuldigung bitte, wie komme ich von da nach Melk?" - "Wau, Wau, Mök!" Ja, ja - wenn man es eilig hat, soll man bekanntlich langsam gehen, so hat man ganz viel Zeit eine Fremdsprache direkt vor Ort zu erlernen. Wau, wau Mök, heisst in etwa: "Hier gibts eh nur ein Gleis und manchmal kommt auch ein Zug nach Melk vorbei."

Irgendwann waren wir dort. Der österreichische Jakobsweg führte direkt am Hotel vorbei - ein Zeichen - ein Zeichen! Fragt mich nicht wofür - aber Bahnfahren ist mir eindeutig zu aufregend.

Eine zentrierte Woche wünsch ich Euch ***Su

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